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Wenn das Spiel zur Last wird: Wege aus der Glücksspielfalle

auf der Website von Experten, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben.

Glücksspielsucht erkennen und verstehen

Bevor wir über Therapie sprechen, ist es wichtig zu verstehen, was Glücksspielsucht eigentlich ist. Es ist keine Charakterschwäche, sondern eine anerkannte psychische Erkrankung. Sie äußert sich darin, dass Betroffene den Drang zum Spielen nicht mehr kontrollieren können, selbst wenn negative Konsequenzen wie finanzielle Probleme, Beziehungskrisen oder Jobverlust drohen. Oft wird versucht, Verluste durch weiteres Spielen wieder hereinzuholen, was die Spirale nur noch tiefer dreht. Das Verstecken des Spielverhaltens vor Familie und Freunden ist ebenfalls ein häufiges Anzeichen.

Wann ist professionelle Hilfe nötig?

Die Grenze zwischen “viel spielen” und “süchtig sein” ist fließend. Ein klares Zeichen für die Notwendigkeit professioneller Hilfe ist, wenn das Glücksspiel beginnt, euer Leben negativ zu beeinflussen und ihr es trotz des Wunsches nicht schafft, aufzuhören oder euer Spielverhalten zu reduzieren. Wenn ihr euch ständig mit dem Gedanken ans Spielen beschäftigt, lügt, um euer Spiel zu verbergen, oder euch nach dem Spielen schuldig fühlt, sind das starke Indikatoren.

Vielfältige Therapieformen bei Glücksspielsucht

Es gibt nicht die eine Therapie, die für jeden passt. Vielmehr gibt es verschiedene Ansätze, die individuell auf die Bedürfnisse des Betroffenen zugeschnitten werden. Das Ziel ist immer, das Spielverhalten zu stoppen und gesunde Bewältigungsstrategien für die zugrunde liegenden Probleme zu entwickeln.

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Die Kognitive Verhaltenstherapie ist eine der am häufigsten und erfolgreichsten eingesetzten Therapieformen bei Glücksspielsucht. Sie konzentriert sich darauf, die Gedankenmuster und Verhaltensweisen zu identifizieren und zu verändern, die zur Sucht beitragen.
  • Gedankenmuster erkennen: Therapeuten helfen dabei, irrationale Überzeugungen über Glücksspiel (z.B. “Ich kann das System schlagen”) zu erkennen und zu hinterfragen.
  • Verhaltensänderung: Es werden Strategien entwickelt, um den Drang zum Spielen zu widerstehen und alternative, gesunde Aktivitäten zu finden. Dazu gehören oft Techniken zur Stressbewältigung und Problemlösung.
  • Rückfallprävention: Ein wichtiger Bestandteil der KVT ist das Erlernen von Fähigkeiten, um zukünftigen Rückfällen vorzubeugen. Dazu gehört das Erkennen von Auslösern und das Entwickeln von Notfallplänen.

Psychodynamische Therapie

Dieser Ansatz geht davon aus, dass ungelöste Konflikte oder traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit zur Entwicklung einer Sucht beitragen können. Die Therapie zielt darauf ab, diese tiefer liegenden Ursachen zu erforschen und zu bearbeiten.
  • Vergangenheitsbewältigung: Es wird untersucht, welche unbewussten Motive oder Konflikte das Spielverhalten beeinflussen könnten.
  • Emotionale Verarbeitung: Die Therapie hilft, unterdrückte Gefühle zu erkennen und zu verarbeiten, die möglicherweise durch das Glücksspiel betäubt wurden.

Gruppentherapie und Selbsthilfegruppen

Der Austausch mit anderen Betroffenen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann eine enorme Unterstützung sein.
  • Anonyme Spieler (GA): Ähnlich wie die Anonymen Alkoholiker bieten die Anonymen Spieler ein Zwölf-Schritte-Programm an, das auf gegenseitiger Unterstützung und dem Teilen von Erfahrungen basiert.
  • Gegenseitige Unterstützung: In Gruppentherapien und Selbsthilfegruppen erfahren Betroffene, dass sie mit ihrem Problem nicht allein sind. Dies kann Schamgefühle reduzieren und die Motivation zur Veränderung stärken.
  • Lernen von anderen: Durch den Austausch von Strategien und Erfahrungen können neue Perspektiven gewonnen und Bewältigungsmechanismen erlernt werden.

Medikamentöse Unterstützung

In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung begleitend zur Psychotherapie sinnvoll sein, insbesondere wenn Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder ADHS vorliegen. Medikamente können helfen, Symptome zu lindern, die das Glücksspielverhalten verstärken könnten. Dies geschieht jedoch immer unter ärztlicher Aufsicht und ist kein Ersatz für eine psychotherapeutische Behandlung.

Stationäre und ambulante Behandlung

Je nach Schweregrad der Sucht und den individuellen Lebensumständen kann eine stationäre oder ambulante Behandlung in Frage kommen.
  • Ambulante Therapie: Hierbei besuchen die Betroffenen regelmäßig Therapiesitzungen, leben aber weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld. Dies ist oft eine gute Option für Menschen, die noch ihren Alltag bewältigen können und ein stabiles soziales Umfeld haben.
  • Stationäre Therapie: Bei einer stationären Behandlung leben die Betroffenen für eine bestimmte Zeit in einer spezialisierten Klinik. Dies ist oft notwendig bei schweren Süchten, wenn das häusliche Umfeld zu viele Auslöser bietet oder wenn Begleiterkrankungen eine intensivere Betreuung erfordern. Hier kann man sich voll und ganz auf die Genesung konzentrieren.

Der Weg zur Genesung: Was ihr selbst tun könnt

Therapie ist ein wichtiger Schritt, aber auch ihr selbst könnt aktiv dazu beitragen, den Weg aus der Glücksspielsucht zu finden.

Erster Schritt: Die Entscheidung zur Veränderung

Das Wichtigste ist die Erkenntnis, dass ihr Hilfe braucht und den Wunsch habt, etwas zu ändern. Dieser erste Schritt ist oft der schwerste, aber auch der entscheidendste.

Offenheit und Kommunikation

Sprecht mit vertrauenswürdigen Personen über eure Probleme. Das können Partner, Freunde, Familienmitglieder oder auch ein Hausarzt sein. Das Sprechen darüber kann eine immense Erleichterung sein und euch die nötige Unterstützung verschaffen.

Finanzielle Kontrolle zurückgewinnen

Glücksspielsucht geht oft Hand in Hand mit finanziellen Problemen. Sucht euch Unterstützung bei der Verwaltung eurer Finanzen. Das kann bedeuten, jemand anderem die Kontrolle über euer Geld zu geben oder professionelle Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen.

Alternative Aktivitäten finden

Füllt die Leere, die das Glücksspiel hinterlässt, mit neuen, gesunden Aktivitäten. Das können Hobbys sein, Sport, Zeit mit Freunden und Familie oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Wichtig ist, etwas zu finden, das euch Freude bereitet und euch ablenkt.

Selbstausschluss nutzen

Viele Online-Casinos und Spielhallen bieten die Möglichkeit des Selbstausschlusses an. Nutzt diese Option, um euch selbst vor dem Spielen zu schützen. In Deutschland gibt es das länderübergreifende Sperrsystem OASIS, das euch für alle lizenzierten Glücksspielanbieter sperren kann.

Fazit: Ein Neuanfang ist möglich